Hutewälder: Relikte aus vergangener Zeit
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Zu einer Zeit, in der es noch keine Butterberge und Milchseen gab,
Getreide noch begrenzt und kostbar war und Tierfutter nicht aus der Fabrik kam,
war es üblich, das Weidevieh zur Futtersuche in den Wald zu treiben.

Vom Mittelalter bis hinein in die Neuzeit veränderten und prägten
die Tiere das Bild des Waldes, es entstanden so genannte Hutewälder.
Hute kommt von "hüten".
Charakteristisch für Hutewälder ist,
dass sie besonders licht sind und die Bäume wegen ihres großen Abstands
sehr große und dichte Kronen haben.

Einerseits verhinderte der unersättliche Appetit des Viehs
eine natürliche Verjüngung des Waldes.
Zum anderen half aber auch der Mensch nach, den Wald aufzulockern,
damit mehr Licht für Kräuter und Gräser auf den Waldboden gelangte.

Eicheln für die Schweine

Besonders beliebt für die Waldweide waren Eichen und Buchenwälder.
In ihnen regnete es die Nahrung für Schweine quasi vom Himmel -
in Form von Eicheln und Bucheckern. Rinder und Pferde
ernährten sich vom Krautbewuchs des Bodens
und den unteren Zweigen der Baumkronen.

Wegen des vielen Lichts, das auf den Waldboden fällt,
waren Hutewälder besonders artenreich.
Andererseits gefährdete die Waldweide aber auch ganze Waldgebiete,
denn die Tiere lassen den Bäumen keine Chance, sich zu verjüngen.
Sie überaltern und sterben im Laufe der Zeit ab.

Heidelandschaften mit wenigen dornigen Sträuchern
sind die Endform der Waldbeweidung.
Schon um das Jahr 800 stellte man deshalb erste Beweidungsregeln auf.
Ziegen durften nicht mehr in den Wald,
sie fressen sogar die Rinde der Bäume.
Für Schweine wurde die Zeit der Waldweide
auf eine bestimmte Dauer begrenzt.

Ein seltenes Biotop

Im 19. Jahrhundert wurde der Rohstoff Holz immer knapper.
Der Bedarf an Bauholz wuchs und für Eisenbahnschwellen
benötigte man große Mengen an Eichen- und Buchenholz.
Ziel der Waldwirtschaft wurde es, möglichst viel Holz zu produzieren,
das Ende der Hutewälder war gekommen.

Heute wird der Schaft von Eichen und Buchen absichtlich dunkel gehalten.
Dadurch verhindert man, dass sich am Stamm Äste und dünne
"Wasserreiser" bilden, die den Verkaufspreis des Holzes mindern.

Gleichzeitig verändert sich aber durch die Dunkelheit
auch die Krautschicht am Waldboden.
Nur selten kann man deshalb heute noch Überreste ehemaliger Hutewälder
mit ihren mächtigen Baumriesen und dem parkartigen Charakter bewundern.

Relikt im Naturpark Solling-Vogler

Im niedersächsischen Naturpark Solling-Vogler
gibt es noch einen ehemaligen Hutewald.
Im Jahr 2000 wurden hier Heckrinder und Exmoorponys ausgewildert,
um diese kulturhistorisch und ökologisch wertvolle Landschaft zu erhalten.
Ohne die Beweidung würde sich der Wald allmählich wieder schließen.

Heckrinder sind eine Rückzüchtung des Auerochsen,
der Stammform unserer Hausrinder.
Sie sind robuster als heutiges Hochleistungsvieh.

Das Exmoorpony ist eine ursprüngliche Pferderasse aus
dem Südwesten Englands.
Der Plan scheint aufzugehen:
Die Tiere haben bereits Nachwuchs
bekommen und seltene Pflanzen
wie der Ackerkleinling sind schon im zweiten Beweidungsjahr
in den Wald zurückgekehrt.

 

 
Die Eiche auf dem Foto

Ist die älteste lebenden Eiche Deutschlands. Die Stieleiche
(Quercus robur)
ist 6.000 Jahre alt und hat einen Durchmesser von dreieinhalb Metern sowie eine Höhe von 35,5 Metern.
Bewundern kann man sie im Ivenacker Tiergarten (Landkreis Demmin)
in Mecklenburg-Vorpommern.