Maul- und Klauenseuche 31.03.2001

 


Bläschen zwischen den Klauen bei Rindern,
Schweinen, Schafen und Ziegen,
Bläschen auch an den Zitzen,
am Maul und an der Zunge.
Die Tiere speicheln, bekommen Fieber und hinken.
Die Maul- und Klauenseuche - kurz MKS
- ist keine angenehme Krankheit.
Die Sterblichkeitsrate ist zwar relativ gering,
nur 2 bis 5 % der kranken Tiere verenden,
doch die Symptome sind schmerzhaft und
die Leistung der Nutztiere lässt schlagartig nach.


Die Maul- und Klauenseuche wird hervorgerufen durch ein Virus,
das 1897 von Friedrich Löffler entdeckt wurde.
Kaum kannte man das Virus, wurde es natürlich bekämpft,
und das gelang bei Greifswald auf der Insel Riems in der Ostsee.
Friedrich Löffler entwickelte hier in den 30er Jahren den
ersten Impfstoff gegen die Maul-
und Klauenseuche und machte dadurch die Insel weltberühmt.
Heute ist hier ein Zentrum der deutschen BSE-Forschung.


Impfungen

Ab 1938 wurde dann in großem Stil geimpft,
doch ausrotten konnte man die Seuche nicht.
In England verbrannte man 1967 bei einer MKS-Epidemie 430.000 Tiere.
In Deutschland ging die Seuche langsam bis Ende der 60er Jahre zurück.
1988 wurde der letzte deutsche MKS-Fall bei Hannover registriert.
Seit 1991 wird innerhalb der EU nicht mehr gegen Maul-
und Klauenseuche geimpft. Warum?


Prof. Oskar-Rüger Kaaden: „Tiere, die geimpft sind,
entwickeln Antikörper-Abwehrstoffe im Serum,
so dass man also nachträglich nicht mehr unterscheiden kann,
ob es sich um eine Infektion durch ein Feldvirus
oder durch die Impfung entstandener Abwehrlager handelt.


Das Teuflische an der Maul- und Klauenseuche:
es gibt mittlerweile viele verschiedene Virenstämme.
Welcher momentan in England zugeschlagen hat,
ist noch nicht bekannt.
In den vergangenen Jahren tauchten immer wieder neue Stämme
der MKS in aller Welt auf, auch innerhalb der Europäischen Union.
Zudem gibt es MKS in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas.
Die Gefahr droht von überall. War es richtig, mit dem Impfen aufzuhören?


Prof. Kaaden: „Die Impfung ist im Prinzip auch heute noch möglich,
allerdings eingeschränkt als sogenannte Ringimpfung
mit Zustimmung der EU-Kommission.

Ringimpfung bedeutet also,
dass um einen solchen Herd in einem bestimmten Umkreis von etwa 30 km
je nach Seuchenlage geimpft werden darf
und dafür werden spezielle Impfstoffbanken bereitgehalten.“

Der Impfstoff lagert derzeit bei der Firma Bayer in Köln,
das Serum gegen die gängigsten Erregertypen wird in Tiefkühlbehältern aufbewahrt.
Man ist gewappnet.


Übertragung

Doch wie kann die Seuche überhaupt hierher kommen bzw. übertragen werden?
Zum Beispiel durch Speisereste,
die von Urlaubern aus MKS-Ländern mitgebracht werden,
und die dann irgendwie in die Nahrungskette der Tiere gelangen,
oder auch durch Ziegen oder Schafe aus Südosteuropa,
die schon so mancher Gastarbeiter vom Heimaturlaub
lebendig im Kofferraum mitgebracht hat.

Das Virus haftet an Kleidung, an Schuhen, und ist dort wochenlang lebensfähig.
Die Seuche kann mit dem Flugzeug kommen.
Der Wind wird sie allerdings nicht über den Ärmelkanal wehen,
das ist unrealistisch, meint man hierzulande.

Prof. Kaaden: „Unter deutschen Verhältnissen kann man davon ausgehen,
dass das Virus luftübertragen 5 – 8 Meter innerhalb der Stallungen
weiterverbreitet werden kann.“


Gegenmaßnahmen

Was kann gegen die Maul- und Klauenseuche getan werden?
Keine Speisereste verfüttern!
Niemanden unberechtigt den Stall betreten lassen!
Keine unnötigen Tiertransporte!

Ausbruch der Seuche in Deutschland?

In Deutschland sind momentan alle Viehmärkte abgesagt worden,
auf zwei Höfen in Nordrhein-Westfalen,
bei denen einige wenige Schafe MKS-Antikörper aufwiesen,
sind die kompletten Tierbestände gekeult worden.
Vorsicht ist geboten, denn insgeheim rechnet man in Deutschland seit langem damit,
dass die Seuche wieder ausbricht.

Prof Kaaden: „Ich befürchte Ja.
Ob nun aus England oder zu einem anderen Zeitpunkt aus einem anderen Land,
das kann man nur mutmaßen,
aber die Veterinärbehörden und auch die Tierärzte sind für diesen Fall vorbereitet.
Es existiert ein sogenannter Bundesmaßnahmenkatalog
mit dem generalstabsmäßig der Ausbruch eines MKS-Falles im voraus geübt
und die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet worden sind.“

Im Falle eines Falles würden ähnlich wie in England Sperrbezirke errichtet werden,
alle Transporte würden verboten, die betroffenen Bestände müssten getötet werden,
und danach müsste man desinfizieren, z. B. mit Natronlauge,
Formalin oder handelsüblichen Desinfektionsmitteln.


Übertragung auf den Menschen

Menschen sind durch die Seuche nicht ernsthaft bedroht, dokumentiert sind bisher 40 Krankheitsfälle.

Prof. Kaaden: „Diese Erkrankungen verlaufen bei Menschen
mit bläschenartigen Veränderungen
in Bereichen der Hände und der Unterarme.
Betroffen sind oder waren in erster Linie Landwirte,
Schlachter, Metzger und Tierärzte; also Personal,
das mit MKS-kranken Tieren Umgang hatte.
Die Erkrankung verläuft relativ harmlos und sie heilt komplikationslos ab.“


Auswirkungen auf die Landwirtschaft

In der Landwirtschaft wäre der Schaden immens.
Wer bezahlt die Verluste?
Die Tierseuchenkasse erstattet nur den Schätzwert der Tiere,
und übernimmt die Kosten für Tötung, Reinigung und Desinfektion.
Nicht bezahlt werden die Folgekosten, z. B. wenn keine Milch mehr geliefert werden darf.
Der Bauernverband hat deshalb 1998 einen MKS-Hilfsfond gegründet.
Die Landwirte zahlen in diesen Topf pro Liter abgelieferter Milch 0,1 Pfennige ein,
und erhalten daraus im Bedarfsfall einen Milchgeldausfall bis zu 50 Tagen.

Und die Privatversicherungen?
Eine der großen Versicherungsgesellschaften hat am 1. Februar 2001
für Neuverträge die Maul- und Klauenseuche aus ihrem Versicherungspaket gestrichen.


 
 
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