Er war ein Naturfreund im besten
Sinne.
Plötzlich und unerwartet kam der Tod von Georg Dieplinger,
und bei aller trauer über seinen Tod
wird doch ein ehrendes Gedenken an den "Peterl
Schorsch"
für niemanden der ihn gekannt hat, abstrakt und theoretisch sein.
Sein Fehlen wird uns erst so
nach und nach zu Bewusstsein kommen,
am meisten vielleicht,
wenn wir wieder einmal durch die Au streifen.
Ihn den "alten Weisen" in der Arbeitshose, mit Schildmütze,
Fernglas und Fahrad,
den exakten Beobachter der heimischen Pflanzenund Tiere,
den bäuerlichen Universalgelehrten, der sein Lebenlang bestrebt
war,
die Gesetze und geheimnisse, die Faszination und Schönheit
sowohl des Mikro als auch des Makrokosmos
zu erforschen und den Mitmenschen zugänglich zu machen,
ihn werden wir nun nie mehr persönlich antreffen.
Er war ein Naturfreund,
forscher und schützer in der besten Bedeutung des Wortes,
und als solcher hatte er eine sehr intime Beziehung zu seiner Umwelt.
Stunden und Tage in der Summe gar Jahre
brachte er alleine in den Wäldern und Wiesen zu,
und seine Sinne wie auch sein gedächtniss waren enorm geschärft.
Keine Blüte, kein Balzruf eines Vogels,
keine Veränderung im Lauf eines Baches entging ihm,
und so war er wohl einer der wichtigsten Zeugen der Umweltentwicklung
"bei uns daheim".
Was aber in wissenschaftlichen
Datenbanken
als Stückwerk abgespeichert sein mag,
war beim Schorsch lebendige Erfahrung eines faszinierenden ganzen.
Was im Naturgeschen oftmals nur analytisch als Messwert erfasst wird,
bekam im gespräch mit dem Schorsch farbe und Form.
So wusste er, noch Jahrzehnet
später,
nicht nur wann ein Hochwasser kam, wie lange es währte und wie
hoch es stieg.
Er erinnerte sich auch mit fast unglaublicher Sicherheit an unzählige
Details,
gleich ob es darum ging, wann die Traubenkirschen zu blühen begannen,
oder wie der brutverlau bei den Kibitzen
oder Grauspechten eines bestimmten Jahres war.
Es ist wohl nicht übertrieben
zu sagen,
dass er die Veränderungen der Aue über die Jahre
wohl besser kannte als irgendein anderer,
und um die Tiere in den Revieren
oft besser Bescheid wusste als der jeweilige jagdliche Inhaber.
In all seinem Lerneifer und wissenschaftlichen
Fleiß
war ihm die Natur immer ein belebtes,
geheimnisvolles und wunderschönes gegenüber.
Nie bewertet er einen Faktor für sich allein,
ohne den weiteren Zusammenhängen Rechnung zu tragen,
und nie sah er die Landschaft,
die Flora und Fauna als eine Sache, als etwas,
das ohne innere Regung und Anteilnahme behandelt werden kann.
Und in all seinen oft einsamen
Pirsch-
und Gedankengängen wurde er dem Menschen nie gram.
Ganz im Gegenteil er verwandte all seine ihm zur Verfügung stehende
Zeit
und energie und zudem enorm viel geld darauf,
gerade diesen anderen Menschen die Natur
in ihrer Schönheit und Ästätik nahe zu bringen.
Zu diesem Zwecke brachte er die
Fotografie
zu höchster technischer Beherrschung
und die ästhetischen Möglichkeiten dieses Mediums zur Vollendung.
Seine Dia-Vortäge zeigten wahre Kunstwerke,
und nur wer sich selbst mit der Naturfotografie beschäftigt,
kann erahnen,
welche Mühe und wie viel "Herzblut"
in jedem seiner Bilder steckt.
In unnachahmlicher Art,
mit zahlreichen Besuchern zudem fundiertes Wissen
und ließ sie über die Vielfalt und Schönheit
der verschiedensten Naturräume staunen.
Wenn man ihn nun nicht mehr antrifft
und sich an seiner Person,
seinem Wissen und seinen kommentierten Bildern
nicht mehr unmittelbar erfreuen kann,
so bleibt doch noch sein Werk und Wesen für jeden Menschen
und Naturfreund ein Grund zur Dankbarkeit.
Und jeder Meter der Wege in der
Au trägt seine Erinnerung,
die uns helfen kann,
die Augen für die bedrohten Kleinode
unserer Heimat und der Salzachaue zu öffnen.
Der Bund Naturschutz,
Ortsgruppe Tittmoning-Fridolfing hat mit Georg Dieplinger
eines seiner kenntnisreichsten Mitglieder
und einen bewundernswerten Menschen verloren.
Wir werden ihn vermissen.
(Martin Sinzinger
www.naturbegegnungen.de)