Robert
Wührer von der Grenzkraftwerke GmbH.
Die Salzachauen sind sowohl Vogelschutz- als auch FFH-Gebiet.
Somit ist der Bau von Kraftwerken in diesem Flussabschnitt im Grunde ein Tabu.
„Deshalb hatten wir entsprechende Überlegungen auch längst ad
acta gelegt“,
sagt Robert Wührer.
Der entscheidende Impuls sei von Georg Grabner gekommen,
dem Landrat des Berchtesgadener Landes,
der sich mit diesem Zustand nicht habe abfinden wollen.
Nun
versuchen die Planer einen nie dagewesenen Kompromiss
zwischen den Belangen des Naturschutzes und der Stromerzeugung.
Damit nicht genug,
muss sich das Projekt reibungslos in die bereits begonnene
flussbauliche Sanierung der Salzach einfügen.
Alles zusammen gerechnet,
kommt die Aufgabe fast einer Quadratur des Kreises gleich.
Doch nun zeichnet sich ein Durchbruch ab:
Unter der Federführung des aus München stammenden Wasserbauspezialisten
Prof. Dr. Ing. Markus Aufleger
wurde an der Universität Innsbruck ein maßgeschneidertes Konzept
für die Stromerzeugung an der Salzach erarbeitet.
Erstmals
soll ein Fluss oberhalb eines Wasserkraftwerkes nicht aufgestaut werden.
Errichtet werden sollen die Kraftwerke bei Flusskilometer 33,8 und 39,4, genau
dort,
wo das Sanierungskonzept den Bau von Flussrampen vorsieht.
Die Rampen sollen den Wasserspiegel heben und die Fließgeschwindigkeit
der sich immer tiefer in ihr eigenes Bett grabenden Salzach reduzieren.
Der angehobene Wasserspiegel soll zur Stromerzeugung genutzt werden.
Durch die Öffnung eines einfachen Verschlusses in der Sohlrampe
werden unmittelbar oberhalb der Anlage ausreichend hohe Fließgeschwindigkeiten
zur Stromerzeugung erreicht.
Dass trotz einer vergleichsweise geringen Fallhöhe viel Strom produziert
wird,
dafür sorgen neuartige Matrix-Turbinen.
Eine
Kiesschleuse stellt die Geschiebedurchgängigkeit und den Kraftwerksbetrieb
sicher.
Bei Hochwasser werden sowohl der Verschluss der Rampe als auch die Kiesschleuse
geöffnet.
Der Geschiebetransport geschieht weitgehend ungehindert.
Bei ausgesprochenen Niedrigwasserperioden wird die Stromerzeugung eingestellt,
um zu gewährleisten,
dass in der Flussmitte jederzeit mindestens 30 Kubikmeter Wasser in der Sekunde
fließen.
Robert
Wührer rechnet für beide Kraftwerke zusammen mit einer Leistung
von bis zu 100 Millionen Kilowattstunden, einer Strommenge, die ausreicht,
um den Bedarf von rund 28 000 Haushalten zu decken.
Rund 78 000 Tonnen Kohlendioxyd ließen sich auf diese Weise einsparen,
wenn man davon ausgeht, dass die selbe Menge Strom in einem Kohlekraftwerk erzeugt
würde.
Die
gesamte Planung sei eng mit den zuständigen Wasserbauern auf bayerischer
und oberösterreichischer Seite abgestimmt, sagt Robert Wührer.
„Allerdings gibt es bislang kein derartiges Wasserkraftwerk.
Deshalb haben wir noch überhaupt keine Erfahrung in dieser Richtung.“
2009 prüfen die Grenzkraftwerke noch,
ob sich mit den neuen Anlagen auch tatsächlich Geld verdienen ließe.
Die Ergebnisse sollen bis Herbst vorliegen.
Klappt
alles nach Wunsch, könnten die neuen Anlagen im Jahr 2015 ans Netz gehen.
„Die Signale aus der bayerischen Politik sind sehr ermutigend“,
sagt Wührer.
Etwas unsicher sei die Haltung der oberösterreichischen Landesregierung.
Dort ist der grüne Landesrat Rudolf Anschober für Fragen der Energie,
des Wasserrechtes und des Umweltschutzes zuständig.
Um die zahlreichen offenen Fragen zu prüfen, hat Anschober eine Arbeitsgruppe
eingesetzt.
„Wir sind sehr skeptisch, und es gibt noch sehr Vieles zu klären“,
sagt Wolfgang Heinisch, Wassersachbearbeiter der Landesregierung von Oberösterreich,
„für ein Ja oder Nein ist es aus unserer Sicht noch zu früh.“
Noch
nicht entschieden ist außerdem, auf welcher Seite des Flusses die Kraftwerke
stehen,
sollten sie denn gebaut werden. Unabhängig davon,
würde der Gewinn je zur Hälfte zwischen den beiden Ländern geteilt.
Geschäftsgrundlage ist ein Regierungsübereinkommen vom 16. Oktober
1950
zwischen dem Freistaat Bayern und der Republik Österreich.
Damals wurde der gemeinsame Wasserkraftausbau an Inn und Salzach
durch die Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK) festgeschrieben.
Im Rahmen der Liberalisierung des europäischen Strommarktes
haben die Grenzlandkraftwerke (GKW) am 1. Juli 1999
die Betriebsführung und das Personal der fünf Kraftwerke der ÖBK
und der Donaukraftwerk Jochenstein AG übernommen.
Firmensitz der GKW ist Simbach und Braunau.
Das Unternehmen beschäftigt 190 Mitarbeiter und gehört je zur Hälfte
der deutschen „E.ON-Wasserkraft“
und der österreichischen „VerbundAustrian Hydro Power“.